Süßstoffe6 min Lesezeit·Aktualisiert: 01. April 2026

Ist Aspartam wirklich gefährlich?

IARC stuft Aspartam als 'möglicherweise krebserregend' ein. Was das wirklich bedeutet — und warum du trotzdem kein Problem hast.

Im Juli 2023 hat die IARC (International Agency for Research on Cancer) Aspartam als „möglicherweise krebserregend" eingestuft. Seitdem kursieren Schlagzeilen, die suggerieren: Cola Zero macht Krebs. Die Realität ist deutlich langweiliger — und beruhigender.

Mythos

Aspartam ist krebserregend — IARC hat es klassifiziert.

Fakt

IARC Gruppe 2B bedeutet 'begrenzte Hinweise' — gleiche Kategorie wie Aloe-Vera-Extrakt und Handystrahlung. JECFA hat den ADI nicht gesenkt.

Wie der ADI berechnet wird

Der ADI (Acceptable Daily Intake) ist die Menge eines Stoffes, die ein Mensch ein Leben lang täglich zu sich nehmen kann, ohne ein gesundheitliches Risiko einzugehen.

Die Berechnung:

  1. NOAEL bestimmen — die höchste Dosis ohne beobachtete Nebenwirkung in Tierstudien. Für Aspartam: 4.000 mg/kg Körpergewicht.
  2. Sicherheitsfaktor anwenden — Division durch 100 (Faktor 10 für Speziesunterschiede, Faktor 10 für individuelle Variabilität).
  3. Ergebnis: ADI = 40 mg/kg Körpergewicht pro Tag.

Das bedeutet: Eine 80 kg schwere Person müsste täglich 3.200 mg Aspartam aufnehmen, um den ADI zu erreichen. Eine Dose Cola Zero enthält etwa 180 mg.

Wie viel Cola Zero müsstest du trinken?

KörpergewichtADI (mg)Cola Zero pro Tag
60 kg2.400 mg5,3 Liter
70 kg2.800 mg6,2 Liter
80 kg3.200 mg7,1 Liter
90 kg3.600 mg8,0 Liter
7,1L
Cola Zero täglich bis an den ADI (80 kg Körpergewicht)
Und selbst das ist kein Gefahrenwert — sondern eine extrem konservative Sicherheitsgrenze

Confounding & Reverse Causality

Viele Beobachtungsstudien zeigen eine Korrelation zwischen Süßstoffkonsum und Übergewicht oder Diabetes. Das Problem: Korrelation ≠ Kausalität.

Wer bereits übergewichtig ist oder Diabetes hat, greift häufiger zu Diät-Produkten. Das nennt sich Reverse Causality — die Krankheit verursacht den Konsum, nicht umgekehrt.

Hinzu kommt Confounding: Menschen, die viel Diät-Cola trinken, haben oft auch andere Ernährungs- und Lebensstilmuster, die das Ergebnis beeinflussen. Studien, die das nicht kontrollieren, sind für Kausalaussagen wertlos.

Randomisierte kontrollierte Studien — der Goldstandard — zeigen kein erhöhtes Risiko durch Aspartam in normalen Verzehrmengen.

Fazit

Die IARC-Einstufung klingt bedrohlich, ändert aber nichts an der wissenschaftlichen Bewertung. JECFA hat den ADI nach der IARC-Einstufung nicht verändert. Die EFSA hat Aspartam bereits 2013 umfassend bewertet und als sicher eingestuft. Um den ADI zu erreichen, müsstest du unrealistische Mengen konsumieren.